Zoren Gold & Minori zählen derzeit zur Avantgarde der fashion photography. Ihr virtuoser Mix aus Fotografie und Grafik Design offenbart eine surreale und fantasievolle Welt aus Schönheit und Zerbrechlichkeit. Ihre Bilder pendeln zwischen dem Objekthaften und subjektiver Empfindung und vereinen auf mysteriöse Weise sowohl Nähe als auch Entfremdung.
Beim ersten Blick auf Ihre Bilder fragt man sich, woher all die Inspirationen kommen. Wo liegt die Quelle Ihrer Einfälle?
Zoren: Die Inspiration kommt überall her. Natürlich lieben wir Kunstbücher, wir haben unsere Lieblingskünstler und lassen uns von allen möglichen Sachen inspirieren, aber ich denke, die Inspiration kommt einfach vom Innern, es ist unsere Fantasie – eher eine verborgene Art von Fantasie – und durch den Arbeitsprozess werden diese Fantasien erforscht. Ich würde sagen, unsere Fotos geschehen einfach. Wir denken gar nicht so viel darüber nach, wir beginnen einfach damit, die Aufnahmen zu machen und schauen dann, wo es hinführt. Danach spielen wir am Computer damit.
Minori: Ich würde es eher eine Art persönliche Entdeckung nennen, wie Zoren meinte, es ist eher der Versuch, mit seinem Inneren zu kommunizieren, mit dem eigenen unbekannten Terrain.
Welches Medium ist derzeit das Wichtigste? Welche Ausdrucksform inspiriert Sie am meisten – ist es Fotografie oder vielleicht etwas anderes?
Zoren: Mich interessieren alle möglichen Arten von Kunst. Ich liebe Malerei zum Beispiel. Besonders viele Fotobücher habe ich noch nicht einmal, ich besitze eher viele Publikationen über Malerei und was unsere Einflüsse betrifft, sind wir zur Zeit beide sehr an Videokunst interessiert, besonders Minori. Sie versucht, das Gebiet wie ein VJ zu erforschen, alles Mögliche mit unseren Fotos zu machen, eher eine animierte Szenerie zu schaffen.
Minori: Insgesamt betrachtet kommen wir beide eher von der visuellen Kommunikation, wenn auch aus unterschiedlichen Bereichen. Zoren hat als Fotograf gearbeitet und ich war als Grafikdesignerin beschäftigt. Zunächst haben wir also erstmal das eingesetzt, was wir konnten, um beide Bereiche irgendwie zu kombinieren. Unser erster Ansatz war ein fotografischer Versuch, aber unsere Inspiration kommt wirklich aus allen Sparten der visuellen Kommunikation. Wir weiten unsere Arbeit aus in Richtung Videos und wollen das, was wir in 2D geschaffen haben, animieren und mit Räumlichkeit kombinieren, wir denken da ganz konkret an den VJ-Style.
Trotz des medialen Cross-Over scheint Fotografie das dominante Medium in Ihren Bildern zu sein. Ist Grafik Design für Sie nur Ornament?
Zoren: Wir bezeichnen uns ja ganz klar als Fotografen – aber jede Möglichkeit, die sich bietet, versuchen wir mit in unsere Fotografie einzubeziehen. Ich würde Grafik Design nicht bloß als Ornament bezeichnen, ich denke es gehört einfach dazu. In erster Linie interessiert uns das Ergebnis, das fertige Bild. Wie wir das erreichen, zählt nicht so sehr für uns.
Minori: Der Grund warum wir Fotografie als ein dominantes Medium benutzen ist, dass wir es als sehr persönliches, nahes Medium empfinden, als sehr effektives Medium, womit sich Leute assoziieren können, wie ein automatischer Spiegel der Gefühle. Ich mag diese Art der Intimität, die einem die Fotografie gibt. Ich denke es ist ein sehr starkes Medium.
Wie kooperieren Sie, wechseln Sie die Rollen?
Minori: Wir haben keine festen Rollen, aber es ist eben einfacher, weil Zoren wirklich verblüffende Momente festhalten kann und ich bin besser darin, die Bilder zusammenzufügen.
Ihre Auftragsarbeiten unterscheiden sich kaum von Ihren personal works. Ist es derselbe Prozess, lässt man Ihnen freie Hand?
Zoren: Das hängt davon ab. Normalerweise, wenn du anfängst, an etwas nicht-kommerziellem zu arbeiten, also einfach eine persönliche Arbeit beginnst, kommt es vor, dass irgendein Artdirector das mitkriegt und sagt: „Kannst du sowas in der Richtung machen?” Man wird oft danach gefragt, Arbeiten zu kopieren, die bereits existieren, weil das eben recht einfach für sie ist. Sie werden von irgendwelchen Fotos inspiriert und wollen dann etwas ähnliches haben. Ich denke, das ist aber okay , denn natürlich muss der Kunde wenigstens ungefähr wissen, was ihn erwartet. Wie ein Artdirector sein Ziel vor Augen hat, müssen wir dann eben in der Lage sein, zu kooperieren und dennoch kreativ zu sein und zu versuchen, die Leute zu überraschen.
Aus einer subjektiven Sicht kreieren Sie Bilder, in denen Personen zum Objekt, oft zum Objekt der Begierde, stilisiert werden. Ihr neues Buch heißt „Object that Dreams“. Müsste es nicht eher „Object of Dreams“ heißen?
Zoren: Uns gefällt einfach die Vorstellung, dass das Subjekt zum Objekt wird und dann das Objekt träumt… Zu Beginn haben wir mit Wörtern etwas rumgespielt. Dann haben wir darüber nachgedacht und irgendwie klang das für uns einleuchtend. „Object that Dreams“ ist grammatikalisch betrachtet natürlich nicht korrekt, aber das hat uns nicht gestört. Dem ist auch nicht zuviel Bedeutung beizumessen. Mir gefällt einfach die Vorstellung, dass all unsere Fotos irgendwie lebendig werden.
Minori: Ich finde „Object that dreams“ klingt irgendwie mysteriöser. „Object of dreams“ klingt so festgelegt.
Man hat den Eindruck, dass die fotografierten Personen manchmal skulptural, wie Objekte erscheinen und nicht mehr Subjekte oder Individuen verkörpern. Wie sehen Sie das Verhältnis von Objekt und Subjekt?
Zoren: „Object of dreams“ drückt aus, wovon du träumst. Aber wir hatten uns eher vorgestellt, dass das Foto eine Art Fantasie darstellt, denn all diese Bilder sind ein Teil unserer eigenen Realität. Für Sie mögen die Bilder einfach Objekte darstellen, aber sie sind ein Teil unseres Lebens und wir finden es gut, dass all diese Objekte irgendwie lebendig werden und träumen. Deren subjektive Träume werden zur Realität innerhalb dieser Fotos.
Die Menschen beginnen, die biologischen Bausteine ihrer eigenen Welt zu designen. Sehen Sie Ihre Bildwelten als eine Art Science Fiction an, deren surrealer Gehalt nach und nach Wirklichkeit werden könnte?
Minori: Ich verstehe, was Sie meinen, aber für mich gab es nie solche Assoziationen mit den Bildern, die wir machen...
Zoren: Irgendwie steht doch alles mit deinem Umfeld, mit deiner Welt, in der du lebst, in Verbindung. Und sicherlich spiegelt sich das alles irgendwo wieder – es beeinflusst dich auf eine Art und Weise, so oder so, aber darüber habe ich nicht nachgedacht, als es um die Fotos ging.
Sie stellen zurzeit in Berlin bei Viaux aus, einer Galerie die sich auf fashion photography spezialisiert hat. Sehen Sie persönlich eine Grenze zwischen Kunst und Modefotografie?
Minori: Nein, nicht wirklich.
Zoren: Grundsätzlich würde ich unsere fashion photography nicht als Kunst betrachten. Keine Ahnung, ob Leute unsere Fotos als Kunst ansehen. Für mich ist fashion photography einfach ein Medium, das einem ermöglicht, kreative Geschichten zu erzählen. Manchmal gibt es ein Budget und du wirst sogar dafür bezahlt, die Modemagazine mitzugestalten. Es gibt derzeit leider gar nicht so viele Modemagazine, die an neuen, innovativen Herangehensweisen interessiert sind. Uns interessiert Mode zwar, aber noch wichtiger ist es für uns, kreativ zu sein. Mode lässt uns Dinge machen, die wir normalerweise nicht machen, denn du arbeitest mit Models, Stylisten und Visagisten für Haare und Make-up zusammen.
Mit Zoren Gold & Minori sprach der Fotograf Felix Dobbert